Starbulls Rosenheim - EV Landsberg 2000 3:1

Die Star Bulls hätten ein Tor mehr benötigt, um sich den 1. Platz in der Aufstiegsrunde West/Süd zu sichern. Letztendlich reichte es somit nur zum 2. Platz, was bedeutet, dass die Ice Dogs im Halbfinale auf Rosenheim treffen.

Auch einige Pegnitzer Fans fanden den Weg ins Rosenheimer Stadion, um sich die Entscheidung live anzusehen:

 

 

Starbulls gastieren mit dem 115-fachen Nationalspieler „Mondi“ Hilger bei EV Pegnitz
Einst auf Weiher gegen Rosenheim
Ehemaliger Deutscher Meister Gegner im Aufstiegs-Schlager – Oldtimer-Reihe entzückt die Fans
VON RICHARD REINL

PEGNITZ – Einst haben sie in riesigen Arenen um die deutsche Meisterschaft und den Europapokal gespielt, seit zwei Jahren tingeln sie nach dem Zwangsabstieg durch Freiluftstadien in Bayersoien oder Schliersee. Die Rede ist von den Starbulls Rosenheim, die am Freitag zum Bayernliga-Aufstiegsfinale in Pegnitz gastieren. Den Fans wird mit diesem Match gegen einen der traditionsreichsten bayerischen Vereine ein echter Höhepunkt am Schluss einer bemerkenswerten Saison geboten.

Die Geschichte des EV Rosenheim reicht bis ins Jahr 1928 zurück. Aber erst 1949 wurde ein Natureisstadion errichtet. EVP-Ehrenvorsitzender Walter Chwalka erinnert sich: „Wir waren damals mit Rosenheim in einer Liga, zu einer Zeit, als sie ihre Heimspiele nicht auf einem provisorisch hergerichteten Weiher ausgetragen haben.“ Erst 1965 begann in Rosenheim mit dem Bau des Kunsteisstadions und dem Aufstieg in die Oberliga der Weg zum Profitum. In der Folge war der EVR drei Mal süddeutscher und ein Mal deutscher Oberligameister, ehe 1972 der Aufstieg in die 1. Bundesliga gelang, dem aber sofort wieder der Abstieg folgte.

Spiel vor 10 000 Zuschauern

1974 übernahm Gerhard Kießling das Training in Rosenheim und brachte gleichzeitig seinen damals 17- jährigen Sohn Udo mit, ein Supertalent. Einer der Höhepunkte der Vereinsgeschichte war 1975 das entscheidende Spiel um den Aufstieg in die 1. Bundesliga: Vor geschätzten 10 000 Zuschauern gewann Rosenheim gegen den Augsburger EV mit 5:2 Toren.

1977 sprang nach zwei verkorksten Jahren in der 1. Bundesliga, in denen auch Schulden gemacht wurden und der Vorstand zurücktrat, vorübergehend Fernsehkoch Max Inzinger als Vorsitzender in die Bresche. Vergeblich: 1978 ging der EV Rosenheim bankrott. Durch die Fusion mit dem TC 1860 Rosenheim entstand der Sportbund DJK Rosenheim, der in der 1. Bundesliga den EV Rosenheim ersetzte.

„Seltsamer“ Neuzugang

Ende der 70er Jahre kämpfte der SB Rosenheim permanent gegen den Abstieg, bis sich dann 1980/81 unter den Neuzugängen ein „seltsamer Kerl“ fand, ein 22-jähriger Buchhalter aus Manitoba (Kanada), der Motorrad fuhr und täglich in der Bibel las: Der spätere National-Torhüter Karl Friesen. Von nun an ging es bergauf. 1981/82 gewann der SBR die Playoff-Finalspiele gegen den Mannheimer ERC und wurde Deutscher Meister.

1982/83 kam aus Riessersee Ernst Höfner zum Sportbund Rosenheim, der darauf hin den Einzug ins Europacup-Endturnier schaffte, wo es allerdings nur zu einem letzten Platz reichte.

1984/85 stieß auch Franz Reindl aus Riessersee zum Verein und der SBR wurde zum zweiten Mal Deutscher Meister. Bei der Feier der dritten Meisterschaft im Jahr 1989 versprach Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker den Neubau eines Stadions für 11 000 Zuschauer.

Obwohl 1992/93 die Planung nur auf die zweite Liga ausgerichtet war, schaffte man den direkten Wiederaufstieg mit drei Finalsiegen über Weißwasser.

1994 werden mit der Gründung der Deutschen Eishockey Liga DEL die Starbulls Rosenheim aus der Taufe gehoben. Anfangs dümpelt das Team im Mittelfeld herum. Erst 1996/97 gelang dank der Öffnung der DEL für EU-Ausländer die Verstärkung mit relativ billigen, aber dennoch effizienten Cracks aus Skandinavien, Italien und Kanada. Sensationell schafft man mit dem zweitkleinsten Etat der Liga den Einzug in die Meisterrunde.

Stadt brach Versprechen

Nach dem Ausstieg des Hauptsponsors nach der Saison, auch aus Verärgerung darüber, dass die Stadt ihr Versprechen, eine neue Arena zu bauen, nicht einlöste, beschloss die Ver einsführung den Ausstieg aus dem Profi-Eishockey. Eine Woche danach überredete Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker zwar noch den Antennenhersteller Kathrein, vorübergehend das Loch im Etat zu stopfen, um weiter in der DEL spielen zu können. Aber 1997/98 wurde dennoch eine Katastrophensaison. Die Starbulls brachen sämtliche Rekorde, was verlorene Spiele in Serie betrifft, bedingt durch eine falsche Personalpolitik.

Der „Ausstieg“ aus der DEL am Ende der Saison 96/97 verursachte die Auflösung nahezu des kompletten Erfolgskaders. Leistungsträger wie Derraugh und Schiffl verhandelten sofort mit anderen Vereinen, Publikumsliebling „Mondi“ Hilger erhielt trotz des Versprechens, eine neue Mannschaft aufzustellen, kein für ihn akzeptables Angebot.

Cracks nach Gewicht verpflichtet

Stattdessen wurden nordamerikanische Profis nach Größe, Gewicht und Anzahl von NHL-Einsätzen aus der IHL, AHL und diversen europäischen „Spitzenligen“ geholt.

Der endgültige K.o. folgte im Frühjahr 2000 mit dem Ausstieg des Hauptsponsors Kathrein. Und auch der Bayerische Eishockey-Verband ließ den Traditionsverein fallen: Als Rosenheim einen Neuanfang in der Bayernliga anstrebte, pochten die Verbands-Oberen auf die Statuten und schickten das einstige Aushängeschild ganz nach unten in die Bezirksklasse. Nicht nur Bundestrainer Hans Zach, mit Rosenheim im Jahr 1982 selbst Deutscher Meister geworden, tobte: „So macht man das deutsche Eishockey kaputt.“ Der Grund für die Entrüstung des „Alpenvulkans“: Rosenheim gilt als bedeutendste Ausbildungsstätte für Nationalspieler: Robert Müller, Marc Seliger oder Robert Hock haben hier das Eishockeyspielen gelernt. Kein Wunder, lässt sich der Klub doch die Nachwuchsschulung auch heute noch rund 400 000 Mark oder 200 000 Euro jährlich kosten.

„Unglaublicher Zusammenhalt“

Die Fans tragen's mit Fassung und halten ihrem Verein die Treue. Beim Schlagerspiel gegen Landsberg sorgten kürzlich 3500 Zuschauer für Stimmung wie in alten Tagen. Wie in Pegnitz haben auch in Rosenheim die einheimischen Cracks dafür gesorgt, dass sich das Publikum mit dem Verein wieder identifizieren kann. Vor allem die Seniorenreihe mit dem 115-fachen Nationalspieler Raimond Hilger, Vitus Mitterfellner, Jürgen Lechl, Max Deisenberger und Anton Maidl entzückt das Publikum. „Mondi“ Hilger, Spieler und Manager in Personalunion, will selbst alles daran setzen, Rosenheim auf direktem Weg zumindest wieder in die Regionalliga zu hieven: „Wir könnten heute schon dort mithalten.“ Er, der im Eishockey alles schon erlebt hat, schwärmt von den neuen Starbulls: „Der Zusammenhalt von Mannschaft und Umfeld ist unglaublich. Es ist eines der schönsten Erlebnisse meiner Laufbahn.“

    
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- Bericht der NN vom 14.03.2002 -