Bericht der NN vom 09.03.2004:
„Zweitschönster Tag in meinem
Leben“
Spieler, Funktionäre und Fans des EV Pegnitz feierten bis in die tiefe
Nacht den Aufstieg in die Bayernliga
PEGNITZ — „Das ist nach meiner Hochzeit der zweitschönste Tag in meinem Leben“, plärrte Fanclub-Koordinator Alexander „Abrazzo“ Adamczyk immer wieder ins weite Stadionrund, wo am Sonntag bis nach Mitternacht gefeiert wurde. Ein Blick auf die Eishockey-Landkarte belegt, was der Aufstieg der „Icedogs“ in die Bayernliga bedeutet: Pegnitz ist dort der einzige Vertreter aus Nordbayern.
Die ganze Nacht über gingen per Handy und Internet Willkommensgrüße von den künftigen Gegnern aus ganz Bayern ein, immer mit dem selben Tenor: „Wir geben zu, dass uns Fürstenfeldbruck schon aus logistischen Gründen lieber gewesen wäre, aber wir freuen uns, dass es Pegnitz endlich wieder einmal geschafft hat.“ Will heißen: Wer dem EV Fürstenfeldbruck im entscheidenden Spiel die einzige, auch noch deutliche Saisonniederlage beigebracht hat, muss Eishockey spielen können. Die erste Mail von den nach Hause zurückgekehrten „Bruckern“ belegte es: „Kompliment. Ihr wart heute klar die Besseren.“
Verständlich, dass nach dem größten Vereinserfolg seit nahezu 20 Jahren im Stadion die Post abging. Spieler, Funktionäre und Fans lagen sich in der EVP-Mannschaftskabine in den Armen und feierten bis weit nach Mitternacht so ausgelassen, dass mehrfach das Bier ausging. Aber Emil Mönch sorgte immer wieder für Nachschub.
Nur ein Mal wurde es etwas ruhiger, als gegen 22 Uhr NN-Sonderdrucke verteilt wurden. Nicht nur von den Spielern, die noch nicht einmal geduscht hatten, wurden die Bilder und der Spielbericht vom Herzschlagfinale regelrecht aufgesogen.
Jetzt fand auch EVP-Spielertrainer Stefan Ponitz Gelegenheit, sich im stillen Kämmerlein im Gespräch mit den NN die ganze Anspannung der vergangenen Tage und Wochen von der Seele zu reden. „Ich bin fix und fertig. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, zu spielen und gleichzeitig Trainer zu sein. Da musst Du harte und gnadenlose Entscheidungen treffen gegenüber Mannschaftskameraden, auf deren Anspiel Du später wieder angewiesen bist.“
„Ziehe Hut vor Gerstner“
Harte Worte waren auch vor diesem Finale nötig, etwa als der langjährige Kapitän Mark Gerstner in einem Spiel, das auch für ihn ein Höhepunkt seiner Laufbahn gewesen wäre, wegen einer kaum überstandenen Grippe nicht aufgeboten wurde. Ponitz: „Das hat mir selbst leid getan, aber es war im Sinne des Erfolgs nötig. Ich ziehe den Hut vor Mark, wie er das verkraftet hat und jetzt ausgelassen mit der Mannschaft feiert.“
Auch sonst ging „Pointer“, wie er von der Mannschaft genannt wird, Schwierigkeiten keineswegs aus dem Weg: „Weil viele klagten, dass mit Böhner nicht leicht auszukommen sei, habe ich ihn zu mir in den ersten Sturm geholt. Damit habe ich nicht nur ihn überrascht, damit hatte ich ihn auch besser unter Kontrolle, und er hat es mit einer tollen Leistung gedankt.“
Selbst in den Pausen, als alle aus verständlichen Gründen nach Luft schnappten, fühlte sich der Spielertrainer gefordert: „Nach dem zweiten Drittel habe ich in der Kabine durchgeplärrt, weil es so nicht weitergehen konnte. Ich habe der Mannschaft eingetrichtert, dass wir verlieren, wenn wir uns weiter so viele unnütze Strafzeiten leisten.“ Die Gardinenpredigt hat Wirkung gezeigt, bei den Spielern, die plötzlich wieder diszipliniert auftraten, und bei Ponitz, der kaum mehr einen Ton herausbrachte. Und trotzdem explodierte er noch einmal auf der Bank. Diesmal bekam Youngster Skarupa sein Fett weg, nicht etwa, weil er schlecht gespielt hätte, sondern weil er nach einem sensationellen und vorentscheidenden Treffer von Schwindl nicht entsprechend gejubelt hatte.
Vor der Bayernliga ist Ponitz nicht bange: „Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge bleibt die Mannschaft weitgehend zusammen, und mit der gegen Fürstenfeldbruck gezeigten Leistung können wir auch in der höchsten bayerischen Klasse im Mittelfeld mitspielen.“ Einer wird dann allerdings nicht mehr an der Bande stehen: Coach Horst Kürzdörfer, der sich noch einmal hatte überreden lassen, nachdem er von Ponitz unter Vortäuschung einer Autopanne zum Training „entführt“ worden war, hört definitiv auf. Das ist ein großartiger Erfolg, aber jetzt ist Schluss. Ich muss Rücksicht auf meine Familie nehmen, bin ich doch als Busfahrer ohnehin schon viel unterwegs.“
Spartenleiter Richard Hagen und der Vorsitzenden Sigi Murr werden sicherlich Lösungen einfallen. Christian Libor, Erfolgstrainer der früheren Jahre und Rekordspieler des EVP, schien im Gespräch mit den NN nicht ganz uninteressiert: „Bayernliga könnte mich noch einmal reizen.“
Schließlich wurden auch die NN in den kollektiven Jubel mit einbezogen: „Wenn Du nach dem Spiel mitten in der Nacht heimkommst und der NN-Spielbericht steht schon im Internet, das ist einfach geil.“
RICHARD REINL

Keeper Jens Braun (vorne), mit seinen Paraden einer der Garanten des Pegnitzer Erfolgs, war nicht der Einzige, der sich nach dem Spiel eine Glatze scheren ließ. Die Zamboni-Garage war hierzu kurzerhand in einen Friseursalon umfunktioniert worden. Foto: Richard Reinl
9.3.2004 0:00 MEZ
© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, PEGNITZ UND UMGEBUNG
Bericht der NN vom 08.03.2004:
Herzschlagfinale: EVP in
Bayernliga
Markus Schwindl machte mit drei sensationellen Sololäufen den Pegnitzer
8:3-Erfolg perfekt
PEGNITZ — Siege haben die „Icedogs“ in den vergangenen Jahren viele feiern dürfen, keiner aber wurde so bejubelt wie gestern das 8:3 über den EV Fürstenfeldbruck. Unbeschreibliche Szenen spielten sich anschließend im Stadion ab. Kein Wunder: Der EV Pegnitz ist im dritten Anlauf endlich in die Eishockey-Bayernliga aufgestiegen.
Aufstiegsrunde
EV Pegnitz — EV Fürstenfeldbruck 8:3 (4:1/ 2:2/2:0) — Das gestrige Spiel war nichts für schwache Nerven. Immer wieder wurden Erinnerungen wach an die vergangenen Jahre, als die „Icedogs“ nach tollen Leistungen jeweils auf der Zielgeraden abgefangen worden sind. In der Saison 2001/2002 lag es eindeutig am Gegner: Damals scheiterte der EVP im Finale am übermächtigen mehrfachen früheren Deutschen Meister SB Rosenheim.
Wesentlich knapper ging es vor einem Jahr zu, als die „Icedogs“ im Endspiel auf die „Wanderers“ aus Germering trafen. Nach einer 6:2-Führung wähnten sich Schwindl & Co. schon als sicherer Aufsteiger, als plötzlich die Kräfte schwanden und Germering ganze 23 Sekunden vor dem Abpfiff das alles entscheidende Tor zum 7:6 erzielte.
Das sollte in diesem Jahr nicht wieder passieren und so lagen gestern zu Beginn bei Spielern wie Fans die Nerven blank, galt es doch zudem einen Zwei-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel vom Freitag aufzuholen, als die „Crusaders“ mit 5:3 Toren die Oberhand behalten hatten. Beide Teams begannen deshalb vor randvollen Rängen äußerst zurückhaltend, vor allem Pegnitz war darauf aus, Ruhe in die eigenen Reihen zu bringen. Die „Kreuzritter“ bestimmten so die ersten Minuten und als Böhner, der gestern in den ersten Sturm neben Ponitz und Schwindl gerückt war, nach einer Unbeherrschtheit die erste Strafe kassierte, war es passiert. Wie im Hinspiel nützte Fürstenfeldbruck die Überzahlsituation gnadenlos aus: 0:1. War es das schon für Pegnitz?
Der erste konstruktive und damit auch gefährliche Angriff der Gastgeber resultierte aus der 12. Minute und er führte prompt zum Ausgleich. Das gab den „Icedogs“ sichtlich Auftrieb, jetzt glaubte man endlich wieder an das eigene Leistungsvermögen.
Die nächsten 85 Sekunden hatten es in sich, mehr noch, sie waren vorentscheidend in der Aufstiegsfrage. Die Uhr stand auf 15:47, als Ponitz bei 5:3-Überzahl nach überlegtem Powerplay sein Team erstmals in Führung brachte. Danach durften die „Crusaders“ wieder zu viert agieren, was ihnen aber nicht viel nützte: Nur 67 Sekunden später erhöhte Häußinger, der gestern sein bestes Match für den EVP ablieferte, auf 3:1. Damit immer noch nicht genug: Weitere 18 Sekunden später bediente er Steffens, der zum 4:1 einlochte. Pegnitz lag in der Gesamtabrechnung erstmals vorn. War das schon die Vorentscheidung?
Disziplin ist gegen einen so starken Gegner das wichtigste, hatte Abteilungsleiter Richard Hagen den Cracks ins Stammbuch geschrieben. Doch im zweiten Drittel hatten sie dies offensichtlich vergessen. Es häuften sich die Strafzeiten und plötzlich kamen die „Brucker“ binnen 47 Sekunden auf 4:3 heran. Zu diesem Zeitpunkt wären sie aufgestiegen. Nicht auszudenken, wenn ein weiterer Treffer nur 14 Sekunden später gegolten hätte. So aber erkannten die beiden Schiedsrichter Reiser und Adam auf Torraumabseits. Durchschnaufen war angesagt.
In Unterzahl erzielte der reaktivierte Schüssel wiederum nur eine Minute später das 5:3, egalisierte damit und stoppte so den Fürstenfeldbrucker Lauf. Was war mit Schwindl? Bis dato weitgehend kalt gestellt, begannen nun seine „Festspiele“: In der 38. Minute herrlich von Haslach angespielt, tankte er sich in seiner für ihn typischen Art auf dem Flügel durch, zog nach innen und spielte auch noch den besten Keeper aller Landesligen aus: 6:2. Nicht nur die aus Bad Kissingen angereisten Freunde des EVP waren begeistert: „Das Tor möchten wir gerne noch einmal in Zeitlupe sehen“.
In Zeitlupe bekamen sie es nicht geliefert, dafür aber in der 55. Minute beinahe identisch in der Wiederholung: 7:3. Und weil es gar so schön war, bot der Pegnitzer Torjäger, diesmal auf Pass von Böhner, 46 Sekunden vor Schluss die gleiche Show auch noch ein drittes Mal: 8:3.
Jetzt gab es auf der Bank des EV Pegnitz kein Halten mehr. Als Markus Schwindl „auf Wolke sieben“ mit hoch erhobenem Schläger um das Stadion „schwebte“ fingen ihn seine Mitspieler ein, begruben ihn unter sich auf dem Eis und feierten mit ihm den Aufstieg in die Eishockey-Bayernliga, ein Erfolg, wie er dem EV Pegnitz letztmalig im Jahr 1986 geglückt war.
Die letzten Sekunden wurde dann der Puck von den „Icedogs“ nur noch aus dem Drittel geschlagen, kein Wunder, wollte man doch nicht noch einmal ein solches Desaster erleben wie vor einem Jahr in Germering. Doch so sehr sich der EV Fürstenfeldbruck auch mühte, es reichte an diesem Abend nicht mehr, die „Icedogs“ in Verlegenheit zu bringen.
„Fünf, vier, drei, zwei, eins, Aufstieg“. Selten haben die Fans begeisterter die Uhr heruntergezählt. Sektkorken knallten, Feuerwerkskörper stiegen in den Himmel, die Spieler des EVP wälzten sich in einem bunten Knäuel auf dem Eis. Der Trainer des EVF Franz-Xaver Ibelherr gratulierte stumm, aber auch EVP-Trainer Horst Kürzdörfer bat um Verständnis: „Ich bin sprachlos, ich kann jetzt nichts sagen. Ich bin stolz auf dieses Team“. Dem war nichts hinzuzufügen.
Die Torfolge: 0:1 (7.) Cmarits,
1:1 (12.) Steffens/Häußinger, 2:1 (16.) Ponitz/Graf/Böhner, 3:1 (17.) Häußinger/Graf,
4:1 (18.) Steffens/Häußinger/Schüssel, 4:2 (28.) Vilgertshofer, 4:3 (27.)
Schreiber, 5:3 (31.) Schüssel/Häußinger, 6:3 (38.) Schwindl/Haslach, 7:3 (55.)
Schwindl/Haslach, 8:3 (60.) Schwindl/Böhner/Marvanyi. Strafen: EVP 30,
Fürstenfeldbruck 22 Minuten. RICHARD REINL
8.3.2004 0:00 MEZ
© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, PEGNITZ UND UMGEBUNG

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