Betrug an den Fans
EVP-Trainer Horst Kürzdörfer tobte trotz 6:2-Sieg
PEGNITZ — Von den Ergebnissen her lief es am Wochenende optimal für den EV Pegnitz, der nach der Erdinger Niederlage in Nürnberg und dem eigenen Sieg über Bayersoien als einziges Landesligateam immer noch verlustpunktfrei ist und die Tabelle nach der 1:6-Niederlage von Buchloe in Vilshofen mit vier Punkten Vorsprung anführt. Und dennoch kochte Coach Horst Kürzdörfer: „Das war heute eine absolute Frechheit, Betrug am Zuschauer“.
Aufstieg zur Bayernliga
EV Pegnitz — ESV Bad Bayersoien 6:2 (1:2/5:0/0:0) — Die Vorzeichen waren klar: Die „Icedogs“ waren bis auf Gerstner komplett, Bayersoien dagegen bot nur ein Rumpfteam auf, bedingt durch „schwere Verluste“ in der gewonnenen „Schlacht“ gegen Vilshofen am Freitag und das Fehlen des Urlaubers Ken Latta. Offensichtlich nahmen deshalb die Gastgeber das Match nach dem klaren 9:2-Hinspielsieg zu sehr auf die leichte Schulter. Optisch sah das zunächst noch überlegen aus, allerdings nur deswegen, weil sich die Oberbayern bis zur 9. Minute ausschließlich auf Befreiungsschläge konzentrierten.
Als Pegnitz eingelullt war, zappelte der Puck beim ersten ernsthaften Angriff des ESV auch schon im Netz hinter EVP-Keeper Oliver Schmidt. „Setzen - sechs“ benotete Coach Horst Kürzdörfer seine Schützlinge, was diese wenig beeindruckte. Im Gegenteil: In der 13. Minute erhöhten die Gäste gar auf 2:0.
Jetzt nahm Kürzdörfer eine Auszeit und herrschte seine Cracks in einer Lautstärke an, dass es auch jeder Zuschauer im weiten Rund hören konnte und sollte: „Diese Leistung ist eine Frechheit. Das ist Betrug am Zuschauer, das lasse ich mir nicht bieten“. Nur gut, dass sein Trainerkollege Stefan Ponitz kurz vor der Pause wenigstens den Anschlusstreffer markierte.
Man kann sich vorstellen, wie es in der Pause rund gegangen ist. Jedenfalls kamen die „Icedogs“ wie verwandelt aus der Kabine: Nach nur 73 Sekunden glich Steffens aus und Haslach brachte den EVP in Unterzahl nach toller Vorarbeit von Häußinger erstmals in Führung. Jetzt lief das Pegnitzer Spiel wie am Schnürchen, Bayersoien kam oft minutenlang nicht mehr aus der Verteidigungszone. Obwohl Schwindl (2) und Jasny das Ergebnis noch im Mitteldrittel auf 6:2 schraubten, hätten angesichts der vielen Gelegenheiten noch weitaus mehr Treffer fallen müssen.
Dieser Vorsprung reichte den Pegnitzern offensichtlich, denn im Schlussdrittel lief überhaupt nichts mehr. Lobenswert nur eine Parade von Schmidt, als er in höchster Not gegen einen allein durchgebrochenen Gästespieler rettete. Kürzdörfer jedenfalls war trotz des Sieges stocksauer: „Wir haben heute nur 15 Minuten lang Eishockey gespielt. Das muss und wird auch Konsequenzen haben“.
Die Torfolge: 0:1 (9.) Frühschütz-Grüning, 0:2 (13.) Dorn, 1:2 (18.) Ponitz/Schwindl/Häußinger, 2:2 (22.) Steffens/Marvanyi, 3:2 (26.) Haslach/Häußinger, 4:2 (28.) Schwindl/Haslach, 5:2 (38.) Jasny, 6:2 (40.) Schwindl/Ponitz. Strafen: EVP zwei, ESCB zwölf Minuten.
Weitere Ergebnisse vom Wochenende:
ESV Bad Bayersoien — ESC Vilshofen 4:3., ESC Vilshofen — ESV Buchloe 6:1. Damit
führt der EV Pegnitz die Qualifikationsgruppe 1 mit 6:0 Punkten an vor Buchloe
(2:2 Punkte),Vilshofen (2:4) und Schlusslicht Bayersoien (2:6). -rr-
26.1.2004 0:00 MEZ
© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, PEGNITZ UND UMGEBUNG
Vorbericht der NN vom 23.01.2004:
„Icedogs“ erstmals komplett
Mit Tempo soll Hinspielsieg wiederholt werden — Drei Teams verzichten
PEGNITZ — Fast drei Wochen mussten die Fans des EV Pegnitz zuletzt auf Eishockey verzichten. Jetzt endlich haben die „Icedogs“ am Sonntag die Möglichkeit, im Aufstiegsspiel gegen den ESC Bad Bayersoien zu zeigen, dass die Pokalniederlage gegen Memmingen beim letzten Heimspiel nur ein Ausrutscher war.
Aufstiegsrunde
EV Pegnitz — ESC Bad Bayersoien (Sonntag, 18 Uhr) — Die Aufstiegsrunde ist zur Farce verkommen, klagen vor allem die Vereine in den anderen Gruppen, nachdem gleich drei Landesligisten schon im Dezember eine Aufstiegsverzichtserklärung unterschrieben haben. Neben dem SC Bad Kissingen und dem EC Bad Tölz 1b hat sich auch der EVP-Kontrahent Bayersoien zu einem solchen Schritt entschlossen.
„Icedogs“-Spartenleiter Richard Hagen warnt allerdings davor, deswegen die Punkte schon vor dem Spiel auf der Habenseite zu verbuchen: „Der ESC hat uns im Hinspiel alles abverlangt und sich auch bei der 1:5-Niederlage gegen den ESV Buchloe bis zuletzt gewehrt gegen eine Mannschaft, die sich mit den ehemaligen Oberliga-Spielern Florian Warkus im Tor sowie Gunnar Genuttis und Michael Paradeiser im Sturm massiv verstärkt hat.“
Alle drei Teams, die auf einen eventuellen Aufstieg verzichten, bemühen sich derzeit um Schadensbegrenzung und versichern, bis zuletzt alles geben zu wollen, um keine Wettbewerbsverzerrung zuzulassen. Der SC Bad Kissingen hat nach Rücksprache mit allen Beteiligten im Verein diesen Schritt gewählt, um jetzt schon im Hinblick auf die kommende Saison eine gesunde Basis für den dann angestrebten Aufstieg zu schaffen.
Eine aktuelle Berechnung habe ergeben, dass eine Bayernliga-Saison rund 50 000 Euro koste. Außerdem verkrafte die momentane Struktur der Mannschaft keine 44 Spiele gegen fast ausschließlich in Südbayern beheimatete Gegner.
Nicht zuletzt wolle man dem eigenen Nachwuchs noch ein weiteres Jahr Zeit geben, sich zu entwickeln: „In der Vergangenheit standen viele Vereine, die mit allen Mitteln in eine höhere Spielklasse wollten und dabei den eigenen Nachwuchs vernachlässigt haben, plötzlich vor dem Aus. Das kann nicht unser Ziel sein.“
Der EVP nimmt dies zur Kenntnis, lässt sich dadurch aber nicht von seinem Plan abbringen, heuer endlich den Sprung in die Bayernliga zu schaffen. Die Chancen stehen gut für den aktuellen Tabellenführer, der in dieser Saison noch kein Punktspiel verloren hat und am Sonntag aller Voraussicht nach erstmals komplett antreten kann, nachdem auch Marvanyi und Gerstner wieder fit sind.
Bayersoien bietet ein Team mit
einer guten Mischung zwischen Jung und Alt auf. Der ESC spielt mit viel
Einsatzwillen, körperlich robust und technisch versiert. Wenn der EVP im
Hinspiel schließlich doch noch deutlich mit 9:2 Toren gewonnen hat, dann vor
allem wegen der besseren Kondition. Richard Hagen: „Wir haben dem Gegner keine
Gelegenheit gegeben, zu verschnaufen, und so musste Bayersoien letztendlich
unserem Tempo Tribut zollen“. -rr-
23.1.2004 0:00 MEZ
© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, PEGNITZ UND UMGEBUNG