Sascha Fitzek: „Ein Zufall wie
ein Sechser im Lotto“
Eishockeyspieler des EVP kann möglicherweise einem Leukämiekranken das
Leben retten — Später Erfolg der Aktion

Zeigt stolz seinen Spenderausweis:
EVP-Stürmer Sascha Fitzek, der als Stammzellenspender möglicherweise ein Leben
retten kann. Foto: Irene Lenk
PEGNITZ — Sportlich sorgt der EV Pegnitz in dieser Saison bayernweit für Schlagzeilen. So wichtig Tore und Siege für die Fans auch sind, sie treten in den Hintergrund vor dem Zufall, vergleichbar mit einem Sechser im Lotto, der jetzt den Eishockeyspieler Sascha Fitzek ereilt hat: Er kann in der nächsten Woche einem Leukämiekranken möglicherweise das Leben retten.
„Ich habe keine Sekunde lang nachdenken müssen. Für mich war sofort klar, dass ich das mache“, erklärte der EVP-Webmaster Sascha Fitzek im Gespräch mit den Nordbayerischen Nachrichten. Nicht nur er, auch sein Trainer Heinz Zerres hält das für eine ganz tolle Sache und hat ihm trotz aller Personalnot im Verein sofort trainingsfrei gegeben, um in letzter Minute ja nichts zu riskieren. Zerres: „Ich weiß aus leidvoller Erfahrung in der eigenen Verwandtschaft, wie wichtig das ist.“
Einst 1741 Blutspender
Nicht nur der 28-jährige Stürmer ist happy, vielmehr freut sich der gesamte Verein über den nachträglichen Erfolg seiner groß angelegten Typisierungsaktion, die fast auf den Tag genau vor vier Jahren trotz schwierigster Witterungsverhältnisse nicht weniger als 1741 Blutspender auf die Beine gebracht hat.
Alle, aber auch wirklich alle wollten helfen. Mit diesem Riesenandrang für die große Pegnitzer Typisierung in der weltweiten DKMS-Knochenspenderkartei hatten Organisator Michael Sporrer und der EV Pegnitz damals nicht gerechnet. Einer der 1741 Spender war Sascha Fitzek, der sich nicht nur als Helfer zur Verfügung gestellt hatte, sondern sich auch bereitwillig anzapfen ließ.
Er erinnert sich noch gut: Bereits in der ersten Stunde der Typisierungsaktion in der Verbandsschule kamen über 300 Spender aus dem Raum Pegnitz, Auerbach und Eschenbach. Bis zum Spätnachmittag war bei der damals laufenden „Hilfsaktion für Anja“ eine neue Rekord-Teilnehmerzahl erreicht.
Blut in die USA geflogen
Mit gutem Beispiel voran ging damals auch der Schirmherr und Pegnitzer Bürgermeister Manfred Thümmler. Noch am selben Sonntag wurde jeder Tropfen des in Pegnitz „gezapften“ Blutes nach Stuttgart transportiert. Bereits um 21 Uhr startete von dort das Flugzeug mit den Blutampullen — darunter auch die Probe von Sascha Fitzek — zum nächtlichen Sprung über den Großen Teich. Der Hintergrund: Im US-Staat Florida kostet die Typisierung nur einen Bruchteil so viel wie in Deutschland, wo die „Deutsche Knochenmark-Spenderdatei“ für jede Probe 50 Euro ausgeben muss, die von keiner Krankenkasse erstattet werden.
Bis die Ergebnisse vorliegen, wird es — so Sporrer im Jahr 2001 — drei bis vier Wochen dauern. Das galt für den Fall „Anja“. Doch der große Vorteil der Typisierungsaktionen ist, dass die Daten in der Knochenmark-Spenderdatei gespeichert und ständig mit den Daten von neuen Patienten abgeglichen werden. Da statistisch gesehen alle 45 Minuten ein Mensch neu an Leukämie erkrankt, kann die Erfolgsmeldung aber auch erst Jahre später kommen, wie jetzt bei Fitzek.
Das erste Schreiben vom Mai 2004 wertete der Eishockeyspieler als reine Routine, wurde er doch darin nur darum gebeten, für eine Feintypisierung noch einmal Blut zu spenden. Beim Hausarzt in Pegnitz war dies schnell erledigt.
Bei einem weiteren Brief im Oktober 2004 stieg der Adrenalinspiegel des EDV-IT-Junior-Professional schon merklich an. Wurde ihm da doch von der DKMS mitgeteilt, dass bei den bisherigen Blutuntersuchungen eine Übereinstimmung mit den Werten eines Patienten festgestellt worden sei, für den ein Stammzellenspender gesucht wird. Fitzek war als möglicher Knochenmark-Stammzellenspender in der engeren Wahl.
Nach einem entsprechenden Gesundheitscheck und einer erneuten Blutabnahme zur Infektionsserologie stand am 29. November endgültig fest: Sascha Fitzek ist der richtige Spender für einen ganz speziellen Patienten, den er allerdings aus Datenschutzgründen so schnell nicht kennen lernen wird.
Stammzellen aus dem Blut
Dieser Tage nun wurde der Pegnitzer bei einer eingehenden Untersuchung im Nürnberger Klinikum Nord, einer der wenigen Spezialkliniken, näher mit dem Procedere vertraut gemacht. Statt der ebenfalls möglichen Knochenmarkentnahme in Vollnarkose aus dem Beckenknochen entschieden sich die Ärzte bei ihm für eine periphere Stammzellenentnahme aus dem Blut.
Hierzu wird Fitzek in der nächsten Woche wie bei einer Dialysebehandlung an ein Gerät angeschlossen, das die möglicherweise lebenswichtigen Zellen aus dem Blut herauszentrifugiert. Um das Ergebnis zu optimieren, muss sich Fitzek die nächsten Tage selber spritzen. Die damit verbundenen möglichen Nebenwirkungen wie Grippesymptome oder Knochenschmerzen nimmt er gerne in Kauf, genau so wie das absolute Sportverbot: „Was ist das schon, wenn ich damit jemandem das Leben retten kann.“
Parallel dazu wird der Empfänger einer Chemotherapie unterzogen, um vor der Stammzellübertragung alle erkrankten Zellen abzutöten. Klappt alles, steigt die Heilungschance bei ihm von normalerweise zwei oder drei auf immerhin 50 Prozent.
„Genetischer Zwilling“
Wie die Sache auch ausgeht, den
oder die Patientin wird Fitzek vorerst nicht kennen lernen. Aus
Datenschutzgründen gibt die DKMS vorerst nur Alter, Geschlecht und Nationalität
des Empfängers bekannt. Im Erfolgsfall ist frühestens nach zwei Jahren eine
gegenseitige Kontaktaufnahme möglich, wenn beide Seiten einverstanden sind.
Fitzek, der sich natürlich nichts als einen Erfolg sehnlicher wünscht, kann das
schon kaum mehr abwarten: „Ich will doch wissen, wie mein genetischer Zwilling
aussieht.“ RICHARD REINL
28.1.2005 0:00 MEZ
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