Kampflos zum EVP
Eishockey-Oberligist Höchstadter EC will verlieren
  
PEGNITZ/HÖCHSTADT - Seit jeher pflegen der Oberligist Höchstadter EC und der EVP gutnachbarschaftliche Beziehungen, nicht wenige ehemalige HEC-Cracks spielen seit Jahren in Pegnitz. Jetzt wollen die "Alligators" mit einem revolutionären Plan zu den "Ice Dogs" in die Bayernliga: Mit einer Serie von gewollten Niederlagen soll der sportliche Abstieg besiegelt werden.

Einen "Paukenschlag" hatte HEC-Pressesprecher Matthias Weber angekündigt und damit noch untertrieben. Denn der Oberligist ließ eine Bombe platzen: Er gab bekannt, dass man in der Abstiegsrunde alle Spiele absichtlich verlieren werde, um als sportlicher Absteiger in die Bayernliga zurückkehren zu dürfen.

Diese ungewöhnliche Absicht hat der Verein auch dem Geschäftsführer der Eishockey-Spielbetriebsgesellschaft, Helmut Bauer, mitgeteilt. In einem ersten Schreiben hatte HEC-Präsident Axel Rogner den Rundenleiter noch aufgefordert, die Höchstadter zum sportlichen Absteiger zu erklären und ihnen einen Platz in der Bayernliga zuzusichern.

Nachdem bis zum 15. Februar keine Antwort eingegangen war, verfasste der Vorsitzende ein Schreiben an Bauer, auf das dieser nur knapp antwortete: "Wie telefonisch mitgeteilt, ist ein freiwilliger Abstieg in die Bayernliga nicht möglich. Der sportliche Absteiger aus der Oberliga in den jeweiligen Landesverband wird nach den Durchführungsbestimmungen in den Abstiegsrunden ermittelt. Auf den weiteren Inhalt Ihrer Schreiben werden wir nicht eingehen, da Ihr Drohgebaren nur Ihrem Club schadet."

Hintergrund für den freiwilligen Verzicht auf den Verbleib in der dritthöchsten Klasse ist die im dritten Jahr in Folge sportlich und finanziell unbefriedigende Situation der "Alligators" sowie die Konstruktion im Eishockeysport, in dem man nicht freiwillig eine Klasse tiefer anfangen darf, sondern ganz von unten beginnen muss.

Die Klubführung hatte schon vor der Saison angekündigt, einen "letzten Versuch", sich in der Oberliga zu etablieren, zu starten - mit einer für Höchstadter Sicht teuren Mannschaft, die anfangs zwar überzeugte, aber weder die Fans in großer Zahl ins Stadion zurücklockte noch diese Form konservieren konnte.

Keine Chance gegen Profis

Letzteres sei auch kein Wunder, meinte Rogner, angesichts der fast ausschließlich mit Profis bestückten Konkurrenz, während der HEC eher einen "semi-professionellen" Ansatz habe. Wörtlich heißt es in der Erklärung des Klubs: "Fakt ist, dass der Verein die finanziellen und personellen Anstrengungen der Oberliga zukünftig weder stemmen will noch kann und die geschaffenen Strukturen nicht der Willkür von Verbandsfunktionären opfern will."

Die Führung der "Alligators" geht davon aus, das ab Freitag ein "Bayernliga-Perspektivteam" auflaufen wird - notfalls auch mit Akteuren aus der 1b-Mannschaft (Bezirksliga). Sportrechtliche Folgen befürchtet Rogner nicht: "Wir haben in den Regularien keinen Paragrafen gefunden, der das absichtliche Verlieren verbietet. Man halte dieses Vorgehen für "ehrlicher und fairer, als wenn wir das Ziel mit Mauschelei anpeilen würden". Auch der Großteil der Sponsoren habe grünes Licht für das Vorgehen des Vereins gegeben. HOLGER PETER
 

23.2.2005 0:00 MEZ
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