Erfolgstrainer „Zorro“ Zerres
verlässt die „Ice Dogs“
Hohes Lob für grandiosen Charakter der Mannschaft und Mahnung für die
Zukunft: „Bayernliga nebenbei geht nicht“

Hatten viel Spaß an den Auftritten des EV
Pegnitz in der ersten Saison nach dem Aufstieg in die Bayernliga: Trainer Heinz
Zerres (l.) und NN-Redaktionsleiter Richard Reinl. Foto: Lenk
PEGNITZ — Diese Nachricht wird bei den Fans der „Ice Dogs“ einschlagen wie eine Bombe: Heinz Zerres verlässt den EV Pegnitz trotz des überaus erfolgreichen Abschneidens in der ersten Bayernliga-Saison. Er wünscht seinen Schützlingen für die neue Spielzeit viel Erfolg und alles Gute, hebt aber warnend den Finger: „Es wird immer schwerer. Bayernliga nebenbei geht nicht mehr.“
Zerres geht keineswegs im Zorn, ganz im Gegenteil: „Es hat mir beim EVP wahnsinnig viel Spaß gemacht, vor allem auch wegen einer Mannschaft, die so viel Charakter hat, wie ich es bisher in meiner langen Laufbahn nur ein Mal in Augsburg annähernd so erlebt habe.“
Er gibt zu, dass die Übernahme des Traineramts beim Aufsteiger auch für ihn ein Risiko gewesen sei. „Ich wollte mir nach vier Jahren Abstand beweisen, dass ich es noch kann. Als ich in Pegnitz ankam, hatte ich keinen einzigen der Cracks vorher einmal spielen sehen. Ich wusste nicht, wie stark der EVP ist, und ich hatte keine Ahnung, auf welchem Niveau sich die Gegner bewegen.“
Ralf Skarupa im Aufwind
Umso mehr überrascht sei er deshalb schon nach den ersten Trainingseinheiten im Sommer gewesen, wie gut die meisten mitziehen. Auch später auf dem Eis sei er angetan gewesen vom Können der Leistungsträger, aber auch von der Entwicklung einiger Nachwuchsspieler wie etwa Ralf Skarupa, dem er den größten Sprung nach vorn attestierte.
Zerres im Rückblick: „Wir haben mit 24 Spielern begonnen und mit zwölf aufgehört. Wären Häußinger, Ponitz oder Graf am Schluss noch dabei gewesen, hätte der EVP ganz oben mitgespielt und Landsberg noch mehr geärgert.“
Das personelle Gerüst der „Ice Dogs“ hielt er beim NN-Redaktionsgespräch für durchaus konkurrenzfähig: „Pegnitz hat mit dem Duo Schwindl/Ponitz zwei herausragende Scorer, denen Spieler wie Häußinger oder Steffens nicht viel nachstehen. Die Abwehr glänzt mit zwei absolut gleichwertigen Goalies und auch die Neuzugänge wie Schrödinger oder Glück haben die Erwartungen durchaus erfüllt, während Kutzer einfach zu wenig aus seinem Talent macht.“ Die Eigengewächse hält Zerres für durchaus entwicklungsfähig, ihnen fehle es nur etwas an der nötigen Härte und dem entsprechenden Biss.
Allerdings ärgert sich der Trainer, der in dieser Saison rund 32 000 Kilometer für den Verein zurückgelegt hat, über die nicht optimale Koordination unter den Verantwortlichen: „Hätte ich gewusst, dass Martin Marvanyi über die Weihnachtsfeiertage zwei Wochen in Heimaturlaub fährt, Vlastimil Bartos vier Wochen lang fehlt, Philipp Häußinger ganz aufhört und Neuzugang Andreas Herrmann seine Immunschwäche nicht in den Griff bekommt, dann hätte ich für letzteren lieber den Verteidiger Jonny Bärlund vom ESV Bayreuth verpflichtet, der später in Fürstenfeldbruck für Furore gesorgt hat. Mit ihm, der gerne beim EVP gespielt hätte, hätten wir nach der Langzeitverletzung von Marco Graf weniger Probleme in der Abwehr gehabt.“
Auch sonst hätte es Zerres gerne gesehen, wenn er mehr in Vereinsentscheidungen eingebunden worden wäre oder wenn sich die Verantwortlichen untereinander öfter zusammengesetzt hätten. „Ich hätte viele Erfahrungen aus meiner langjährigen Tätigkeit als Spieler und Trainer gerne eingebracht, hätte mitgeholfen, die Sponsoren noch besser einzubinden oder einige Riesentalente im Nachwuchs ganz gezielt zu fördern.“
Eines wurmt ihn ganz besonders: „Auf der einen Seite wurde gesagt, dass man mit mir langfristig zusammenarbeiten will, auf der anderen Seite habe ich den Umbau der Spartenleitung aus der Stadionzeitung des TSV Erding erfahren müssen.“
Lob für Richard Hagen
Auf Spartenleiter Richard Hagen lässt er aber nichts kommen, er habe hervorragende Arbeit geleistet, und seine Nachfolger seien in keiner Weise zu beneiden: „Mit Deggendorf und Memmingen steigen zwei Vereine auf mit viel größeren finanziellen Möglichkeiten und hochklassigen Clubs in unmittelbarer Nachbarschaft. Dazu kommen aus der Oberliga voraussichtlich Höchstadt und Miesbach, was bedeutet, dass die Bayernliga noch einmal deutlich stärker wird. Deshalb muss jetzt sofort die neue Saison geplant werden, will man personell nicht in die Röhre schauen.“ Gut vorstellen könne er sich dabei eine engere Zusammenarbeit mit den Nürnberg „Ice Tigers“.
Vor allem aber komme es auch darauf an, viele ärgerliche Kleinigkeiten im täglichen Umfeld abzustellen, seien es die technischen Probleme bei der Eisbereitung oder mit dem Zamboni oder die Zuteilung von Eiszeiten für die erste Mannschaft. Diesem Aushängeschild des Vereins müsse mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.
„Mitglieder leisten viel“
Zerres will nicht nachtarocken:
„Viele Leute leisten hier ehrenamtlich unglaublich viel für den Verein. Was aber
mitunter fehlt, sind die gegenseitige Abstimmung und eine entsprechende
Organisation. ISI REINL
3.3.2005 0:00 MEZ
© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, PEGNITZ UND UMGEBUNG