Sensationell: „Ice Dogs“ rauben
Punkt aus „Löwenkäfig“
Aufsteiger EV Pegnitz sorgt bei Bayernliga-Top-Favoriten für Überraschung
— Keeper Jens Braun in überragender Form
PEGNITZ - Neuling EV Pegnitz sorgte gestern bei seiner Premiere in der Eishockey-Bayernliga gleich für die größte Überraschung: Die „Ice Dogs“ entführten nicht nur einen Zähler bei einem der Top-Favoriten der Liga, sie hätten selbst nach Ansicht der Waldkraiburger eigentlich den Sieg verdient gehabt.
Eishockey-Bayernliga
EHC Waldkraiburg — EV Pegnitz 2:2 (1:1/1:1/0:0) — Die Oberfranken sind unberechenbar, lautete der einheitliche Tenor in den Vorschauberichten der Oberbayern. Kein Wunder, hatten doch die „Ice Dogs“ all ihre Vorbereitungsspiele in Nordbayern oder gar in den neuen Bundesländern ausgetragen. Und die „Propheten“ sollten Recht behalten. Wer ein Schützenfest des von der Papierform her schier übermächtigen EHC Waldkraiburg erwartet hatte, erlebte eine Überraschung. Der einzige nordbayerische Vertreter in der BEL spielte nicht nur gleichwertig mit, er brachte vielmehr die „Eislöwen“ immer wieder arg in Verlegenheit.
„Wir gewinnen“, hatte EVP-Trainer Heinz Zerres seine Mannen vor dem Anpfiff in der Kabine heiß gemacht. Sie schienen ihm zu glauben und traten folglich vor den rund 500 Zuschauern erstaunlich frech auf. Mit etwas Glück hätte Markus Schwindl in der 5. Minute sogar ein Tor vorlegen können. Waldkraiburg dagegen präsentierte sich unerwartet nervös. Hatte man sich vielleicht im Vorfeld zu sicher gefühlt? Nicht einmal eine 5:3-Überzahlsituation nach Strafzeiten für Steffens und Kutzer konnten die Gastgeber eingangs nutzen. Als dem EHC in der 10. Minute doch die Führung gelang, zeigten sich die Gäste dadurch keineswegs geschockt. Im Gegenteil: Fast im Gegenzug hatte Schwindl bei einem Alleingang den Ausgleich auf dem Schläger. Was hier noch nicht gelang, schaffte Ponitz wenig später in Unterzahl: Pegnitz glich überraschend, aber hoch verdient zum 1:1-Pausenstand aus.
Auch im Mitteldrittel agierten die Waldkraiburger Stars vor allem im Powerplay erstaunlich schwach. Auf der anderen Seite scheiterte Schwindl erneut bei einem Konter. Mehr Glück hatte wenig später der Kanadier Crombeen, als er den überragenden Keeper Jens Braun mit einem abgefälschten Schuss bezwang. Und wieder bewiesen die Zerres-Schützlinge Moral: Neuzugang Bartos besorgte bei Überzahl nach einer Kombination mit Ponitz und Schwindl das 2:2.
Mit zunehmender Spielzeit zeigte der vermeintliche Favorit ob der unerwartet starken Leistung der Pegnitzer Nerven. So unterlief dem EHC kurz vor Schluss sogar ein Wechselfehler. Waldkraiburg erhielt eine Bankstrafe, die „Ice Dogs“ nahmen eine Auszeit, um noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und vielleicht sogar den ganz großen Coup zu landen. Dies gelang zwar nicht, doch nach dem Abpfiff wurde der EV Pegnitz von allen seiten zur tollen Leistung beglückwünscht.
Auch Spartenleiter Richard Hagen war „happy“: „Hätten wir unsere Chancen besser genützt und uns nicht so viele, teils dumme Strafen eingehandelt, hätten wir sogar als Sieger vom Platz gehen können. Seiner Mannschaft, die neben Krieg (beruflich verhindert) und Skarupa (Grippe) kurzfristig auch noch Graf (Rippenanbruch) ersetzen musste — dafür spielte wieder Gerstner —, zollte er großes Lob, insbesondere auch den beiden Last-Minute-Neuzugängen Alexander Schrödinger und Torsten Glück.
Die Torfolge: 1:0 (10.)
Waldmann/Richter/Feistl, 1:1 (19.) Ponitz, 2:1 (26.) Crombeen/Gschmeidler, 2:2
(30.) Bartos/Ponitz/Schwindl. Strafen: Waldkraiburg acht, EV Pegnitz 18 Minuten.
RICHARD REINL
18.10.2004 0:00 MEZ
© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, PEGNITZ UND UMGEBUNG
Vorbericht der NN vom 15.10.2004:
In Höhle der „Löwen“
EVP zum Bayernliga-Auftakt gleich bei Topfavoriten
PEGNITZ — Am Sonntag ist es soweit: Nach vielen Jahren Landesliga geht der EV Pegnitz endlich wieder in der sportlich anspruchsvollen Eishockey-Bayernliga an den Start. Bei einem der Mitfavoriten, dem EHC Waldkraiburg, werden die „Ice Dogs“ gleich voll gefordert.
Eishockey-Bayernliga
EHC Waldkraiburg — EV Pegnitz (Sonntag, 17.15 Uhr) — Monatelang haben sich Schwindl, Ponitz & Co. auf die Herausforderung vorbereitet. Jetzt muss der EVP zeigen, dass er sich auch in neuer Umgebung behaupten kann.
Angst müssen die „Ice Dogs“ dabei keine haben, ein wenig Respekt vor dem schier übermächtigen Gegner ist aber sicherlich angebracht, haben die „Eislöwen“ doch in der Endphase der Vorbereitung den Mitaufsteiger EV Fürstenfeldbruck mit 9:1 Toren regelrecht vom Eis gefegt und dies, obwohl fünf Stammspieler ersetzt werden mussten. Hier bewährte sich die Nachwuchsarbeit, für die unter anderem mit Jiri Svitak ein ehemaliger EVP-Trainer verantwortlich zeichnete.
Waldkraiburg hat mit dem in Bayreuth und Selb noch bestens bekannten Kanadier Dale Crombeen sicher einen der spektakulärsten Transfers gelandet, wie dessen neun Tore in der Vorbereitung beweisen. Aber auch sonst ist das Team um Kapitän Rainer Zerwesz, einen ehemaligen Nationalstürmer mit 642 Einsätzen in der höchsten Liga, mit klangvollen Namen gespickt. Kein Wunder, dass die „Eislöwen“ unbedingt aufsteigen wollen. Das sieht auch EVP-Trainer Heinz Zerres als realistisch an. „Waldkraiburg und Landsberg sind so überlegen, dass sie ihre Spiele normalerweise alle zweistellig gewinnen müssen.“ Dazu kommt, dass die austrainierte Truppe sehr diszipliniert auftritt und nahezu ohne Strafzeiten auskommt.
Pegnitz kann mit Ausnahme von Böhner (wegen seines Studiums beurlaubt) voraussichtlich komplett antreten, also auch mit den jüngsten Neuzugängen Schrödinger und Glück. Fragezeichen stehen hinter Skarupa (krank) und Krieg (beruflich verhindert).
EVP: Tor: Jens Braun, Oliver
Schmidt; Verteidigung: Peter Jasny, Marco Graf, Vlastimil Bartos, Martin
Marvanyi, Alexander Schrödinger, Markus Hausner; Sturm: Markus Schwindl, Stefan
Ponitz, Philipp Häußinger, Thorsten Steffens, Sascha Fitzek, Torsten Glück,
Stephan Kutzer, Andreas Walther, Tobias Rembs, Florian Krieg. -rr-
15.10.2004 0:00 MEZ
© NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, PEGNITZ UND UMGEBUNG