Menschen von prächtigem Festzug
total überwältigt
Ereignis zum Stadtjubiläum Pegnitz übertraf die Erwartungen — Historische
Gewänder beeindruckten — Szenenapplaus

Trikots , Tore, Schlittschuhe, Helm und
Schläger: Die Sportler des Eislaufvereins Pegnitz demonstrierten die komplette
Ausrüstung eines Eishockeyspielers.
Tausende von Menschen an den Straßenrändern waren begeistert und ergriffen: Der prächtige Festzug zur 650-Jahr-Feier der Stadt übertraf die Erwartungen. „Ich bin total überwältigt, sagte ein sichtlich gerührter Bürgermeister Manfred Thümmler nach der Ankunft am Festplatz.
PEGNITZ — Am Wiesweiher strömten die meisten 2500 Teilnehmer erst einmal in das gewaltige Festzelt, um einen kräftigen Schluck zu nehmen. Über eine Stunde liefen die Teilnehmer im gleißenden Sonnenschein bei 27 Grad im Schatten von der Lohesiedlung durch die Stadt. Den Musikanten der elf Kapellen rann der Schweiß über die Stirn, unter den dicken Gewändern wurde es unerträglich warm. Dennoch mussten nur zwei Festzugteilnehmer ins Krankenhaus Pegnitz eingeliefert werden.
Ansonsten meldete Organisator Manfred Richter: „Alles ist super gelaufen, keine besonderen Vorkommnisse.“ Schon der Start an der Christian-Sammet-Schule klappte perfekt: Um 14.02 setzte sich die Spitze der Kolonne mit den Reitern in Bewegung. Die auf der Roseggerstraße aufgestellten Fußgruppen und die 47 Fahrzeuge, die am Schulparkplatz warteten, fädelten perfekt im Reißverschlusssystem ein.
In der ersten Kutsche mit Ehrengästen saßen KSB-Eigentümer Wolfgang Küborth und die beiden hochverdienten betagten Pegnitzer Bürger Dr. Ernst Köberlin und Fritz Schauer.Gleich dahinter rollte ein Aaglander, gelenkt von Roland Belz (BellandVision); an seiner Seite Küborths Ehefrau Helga. Das Fahrzeug war erst in der Nacht auf einem Anhänger aus Aachen zurückgekehrt. Bürgermeister Manfred Thümmler marschierte in der Kluft eines Ratsvorsitzenden aus der Renaissance mit, flankiert vom Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk und Landrat Dr. Klaus-Günter Dietel. Koschyk war begeistert: „Ich habe noch nie bei einem Festzug so fröhliche und gut gelaunte Menschen gesehen.“
Zauberhafte Blumenkinder
Die bestaunten den nicht enden wollenden Zug mit seiner Farbenpracht, originellen Gewändern aus den vergangenen Jahrhunderten, historischen Arbeitsgeräten, bunten Uniformen und glänzenden und geschmückten Fahrzeugen. Rotgesichtige Feuerwehrleute zogen längst außer Dienst gestellte Handdruckspritzen. Als gelbe, grüne, rote und blaue Blumenkinder verzauberten die Mädchen und Jungen des Don-Bosco-Kindergartens das Publikum, nicht weniger schön anzuschauen waren die Kleinen des Franziskuskindergartens, die unter dem Thema „es war einmal...“ eingekleidet waren. Eine Augenweide die Historische Bürgergruppe Pegnitz: in Brokat, Samt und Seide erhielt sie spontanen Applaus wie viele andere Gruppen, die dem Mittelalter oder der Renaissance hätten entsprungen sein können.
Die Pegnitzer Bauersleute zeigten das Leben auf dem Lande in früheren Zeiten. Bett, Nachttopf und Wäscheschrank standen auf einem Kammerwagen; nachgestellt wurde eine Bauernhochzeit mit Hochzeitskutsche und Gästen in festlicher Tracht gekleidet. Zwei gewaltige Ochsen zogen einen Heuwagen, in dem Mistgabeln steckten. Die Tiere stammen aus Nürnberg-Buch und sind fast jeden Sonntag bei Festzügen im Einsatz. Unter der Woche müssen sie pflügen und Holz rücken. Besitzer Erich Kißlinger: „Wir fahren auch bei Hochzeiten und sogar bei zwei Scheidungen sind wir gebucht worden: Was das für Vögel waren, weiß ich auch nicht.“ Einen Kirchgang um 1900 stellte die in schwarzer Tracht erschienene Ortsgemeinschaft Zips dar.
Blick in Stollen
Einen Blick in einen Stollen
konnte man bei den Bergknappen Pegnitz sehen. Die Nordbayerischen Nachrichten
präsentierten eine Zeitungsrotation mit eingespannten Farbseiten, festlich
geschmückte Kaltblüter zogen die mit Fässern beladenen Wagen der beiden
Pegnitzer Brauereien. Viele Pegnitzer Vereine marschierten mit — die Sportler in
leuchtenden Trikots. HANS-JOCHEN SCHAUER
27.6.2005 0:00 MEZ
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